HOME — Ein resilientes Modell für menschliches Zusammenleben
Die Begründung. Blätter 1 bis 3 dieser Akte zeigen, wie HOME vermessen ist — dieses Blatt begründet, warum es gebaut werden soll. Jede Zahl zur Anlage stammt aus der Maßquelle der Akte; jede externe Zahl trägt eine Fußnote.
Vermerk: HOME ist eine Arbeitsbezeichnung. Der Name steht nicht fest und wird hier nicht als endgültig gesetzt. Offene Rechts-, Geld- und Strukturfragen führt das Hindernisregister — sie werden benannt, nicht kaschiert.
Ausgangspunkt
Die meisten heutigen Städte und Gesellschaften wurden für eine Welt gebaut, die sich gerade grundlegend verändert.
Wohnen, Arbeit, Energie, Versorgung, soziale Beziehungen und technologische Entwicklung werden überwiegend als voneinander getrennte Systeme behandelt. Gleichzeitig steigt ihre gegenseitige Abhängigkeit.
Das erzeugt eine paradoxe Situation: Unsere Systeme werden technologisch leistungsfähiger, während viele Menschen ihre persönliche Lebensgrundlage als unsicherer empfinden.
Der World Social Report 2025 der Vereinten Nationen beschreibt wirtschaftliche Unsicherheit, hohe Ungleichheit, sinkendes gesellschaftliches Vertrauen und zunehmende soziale Fragmentierung als Kräfte, die Gesellschaften weltweit destabilisieren.1
Auch Wohnen ist längst mehr als eine Immobilienfrage. In den OECD-Staaten sind im Durchschnitt knapp 40 Prozent der Menschen im untersten Einkommensquintil, die zur Marktmiete wohnen, von Wohnkosten überlastet: Sie geben mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens dafür aus.2 Die OECD führt die mangelnde Bezahlbarkeit von Wohnraum als strukturelle Herausforderung.
Gleichzeitig erleben wir trotz digitaler Vernetzung eine Krise realer menschlicher Verbindung. Nach dem Bericht der WHO-Kommission für soziale Verbundenheit war zwischen 2014 und 2023 weltweit etwa jeder sechste Mensch — über alle Altersgruppen — von Einsamkeit betroffen; die WHO fordert, soziale Verbindung stärker als Bestandteil gesellschaftlicher Gesundheit zu betrachten.3
HOME setzt genau an dieser Schnittstelle an.
Die Frage
Die zentrale Frage lautet nicht: „Wie bauen wir eine bessere Wohnsiedlung?“
Wie würde man heute einen Lebensraum entwerfen, wenn man Wohnen, Energie, Ernährung, Bildung, Gesundheit, Arbeit, Gemeinschaft und Technologie von Anfang an als ein zusammenhängendes System betrachten würde?
HOME ist der Versuch, darauf eine praktische Antwort zu geben.
Es ist weder eine Kommune im klassischen Sinne noch ein abgeschlossener Staat, eine religiöse Gemeinschaft oder ein Aussteigerprojekt. Es ist eine modulare Lebens- und Versorgungsstruktur.
Menschen können darin leben, arbeiten, Unternehmen aufbauen, Familien gründen, lernen oder altern — ohne ihre Individualität aufzugeben.
Warum gerade jetzt?
Mehrere Entwicklungen treffen gleichzeitig aufeinander.
Automatisierung und künstliche Intelligenz
KI kann enorme Produktivitätsgewinne ermöglichen, verändert aber gleichzeitig die wirtschaftliche Rolle menschlicher Arbeit. Der IWF schätzt, dass rund 40 Prozent der weltweiten Beschäftigung gegenüber KI exponiert sind, in fortgeschrittenen Volkswirtschaften etwa 60 Prozent.4
Das bedeutet nicht zwangsläufig Massenarbeitslosigkeit. Es bedeutet aber, dass eine Gesellschaft, in der der Zugang zu Wohnraum, Nahrung und grundlegender Sicherheit fast vollständig vom individuellen Erwerbseinkommen abhängt, zunehmend unter Anpassungsdruck geraten kann.
HOME stellt deshalb eine andere Frage: Was passiert, wenn technologische Produktivität nicht nur dazu genutzt wird, Unternehmen effizienter zu machen, sondern auch dazu, die Grundkosten menschlichen Lebens zu senken?
Wohnen
Heute wird Wohnraum überwiegend als individuelles Wirtschaftsgut organisiert. Jeder Haushalt kauft oder mietet separat: Wohnfläche, Küche, Fahrzeuge, Geräte, Energie, Internet, Lagerräume, Werkzeuge, Dienstleistungen, Versorgung. Viele dieser Ressourcen werden nur einen kleinen Teil des Tages tatsächlich genutzt.
HOME versucht, Privatsphäre und gemeinschaftlich nutzbare Infrastruktur intelligent miteinander zu kombinieren. Das Ziel ist nicht kollektiver Besitz um jeden Preis. Das Ziel ist: weniger Ressourcenverbrauch pro Mensch bei gleichzeitig höherer Lebensqualität.
Energie und Infrastruktur
Große zentrale Systeme sind effizient, können aber anfällig für einzelne Ausfälle oder Engpässe sein. Dezentrale Erzeugung, Speicher und lokale Netze erhöhen die Widerstandsfähigkeit von Versorgungssystemen.
Eine HOME-Anlage soll deshalb weiterhin mit ihrer Umgebung verbunden sein, aber zentrale Grundfunktionen teilweise lokal bereitstellen können. Nicht: Autarkie um jeden Preis. Sondern: Redundanz.
Drei mögliche Entwicklungen der kommenden Jahre
HOME basiert nicht auf der Annahme, dass eine Katastrophe eintreten muss. Das Modell ergibt in sehr unterschiedlichen Zukunftsszenarien Sinn.
Szenario A — technologische Beschleunigung
KI, Robotik und Automatisierung erhöhen die Produktivität erheblich. Viele Güter und Dienstleistungen werden günstiger. Bestimmte Tätigkeiten verschwinden, andere entstehen. Menschen benötigen möglicherweise weniger traditionelle Erwerbsarbeit; gleichzeitig wächst die Frage, wie Wohlstand, Zugang und gesellschaftliche Teilhabe organisiert werden.
In diesem Szenario wäre HOME ein Labor für eine Gesellschaft mit deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten.
Szenario B — anhaltende Instabilität
Wohnkosten bleiben hoch. Energiepreise schwanken. Staatliche Systeme geraten durch Demografie und Finanzierung unter Druck.
In diesem Szenario wäre HOME ein Stabilisator: lokale Versorgung, gemeinschaftliche Infrastruktur und geringere individuelle Fixkosten erhöhen die Widerstandsfähigkeit.
Szenario C — stärkere regionale Krisen
Regionen können zeitweise von Energieausfällen, extremen Wetterereignissen, Konflikten oder Versorgungsschwierigkeiten betroffen sein. Auch globale Ernährungssysteme bleiben gegenüber Konflikten, wirtschaftlichen Schocks und klimatischen Belastungen verwundbar; die FAO betont deshalb die Bedeutung resilienter Ernährungssysteme.5
HOME wäre in diesem Fall kein „Bunker“. Es wäre ein dezentrales Netz robuster Lebensräume, deren Grundfunktionen auch bei Störungen weiterarbeiten können.
Regel dieser Akte: Eine externe Kennzahl wird nur aufgenommen, wenn die HOME-Struktur eine Antwort auf sie ist. Kennzahlen, auf die HOME keine strukturelle Antwort bietet, werden nicht als Begründung geführt.
Die kleinste Einheit
Das gesamte System basiert auf einer wiederholbaren Einheit: der einzelnen HOME-Anlage. Ihre Grenze liegt bei 300 Menschen — absolut (Kapitel 6).
Eine Anlage ist kein Wohnblock, sondern ein kleiner vollständiger Lebensraum. Ihre Ordnung ist keine lose Aufzählung von Funktionen — sie ist eine Ringordnung, vom Rand zur Mitte, mit den Beständen aus der Vermessung (Blatt 2):
| Hofring · 24 Parzellen | Der äußere Ring: 24 Hofparzellen zu 54 × 40 m, drei je Achteckseite. Jede trägt ein Geviert mit dreigeteiltem Wohnflügel (Haupthaus, Zweitwohnung, Altenteil), zwei Seitenflügeln, Innenhof und Garten — Blatt 3. |
| Die Zwölf | Zwölf Anlagen zu je 400 m² im nächsten Ring — Werk-, Versorgungs- und Arbeitsflächen der Gemeinschaft. |
| Die Sechs | Sechs Häuser: Küchenhaus, Haus der Kinder, Werkhaus, Bühnenhaus, Körperhaus, Haus der Schwelle des Lebens — zusammen 4.100 m². |
| Die Drei | Rat, Versöhnung, Gedächtnis — die drei Bauten des inneren Rings. |
| Quelle | Der zentrale Platz mit der Quelle, Radius 35 m. |
| Dazu | Die Schwelle (900 m², auf der Südachse), der Ringweg (achteckförmig, 5 m breit) und der Bannrand (256–268 m, frei von Parzellen). |
Von außen funktional nach innen menschlich — was die einzelnen Ringe tragen, dokumentieren die Planblätter dieser Akte.
Ernährung
Eine voll belegte Anlage (300 Menschen) verfügt innerhalb der Umgrenzung über 575 m² anbaufähige Fläche je Kopf — sie kann sich innerhalb der eigenen Umgrenzung nicht selbst ernähren. Rund 76 ha Außenland je Anlage sind Bedingung, nicht Reserve. Dieser Punkt ist als H-06 im Hindernisregister geführt.
Warum 300 Menschen?
Eine Stadt mit hunderttausenden Einwohnern ist für den einzelnen Menschen anonym. Eine Kleingruppe von 20 Menschen kann dagegen viele Aufgaben nicht selbst tragen.
Etwa 300 Bewohner bilden eine Zwischenebene: groß genug für unterschiedliche Fähigkeiten, Berufe und Altersgruppen; klein genug, damit Verantwortung und Gemeinschaft sichtbar bleiben.
300 ist die Grenze. Absolut.
Bei Erreichen der Grenze zieht niemand mehr ein. Die Grenze passt zur Geometrie: Der Hofring trägt 24 Parzellen — eine feste Zahl, die sich aus Seitenlänge, Hoffront, Gasse und Eckabstand ergibt (Blatt 1). Wer nicht mehr hineinpasst, wartet. Die Zahl 300 selbst ist gesetzt; sie ist als H-12 im Hindernisregister geführt.
Wachstum durch Tochtergründung
Aus der Warteliste entsteht der Druck, aus dem neue Anlagen hervorgehen. Der Mechanismus ist die Tochtergründung:
- Eine Gründungsgruppe verlässt die Mutteranlage und errichtet eine Tochteranlage. Die Mutteranlage füllt aus der Warteliste wieder auf 300 auf; die Tochteranlage wird im Übrigen aus der Warteliste belegt.
- Findet sich keine Gründungsgruppe, entsteht keine neue Anlage — die Warteliste wird länger. Das ist kein Defekt, sondern die Sicherung dagegen, dass das Netz schneller wächst als die Fähigkeit, es zu betreiben.
- Eine Tochteranlage kann selbst Töchter gründen. Es entsteht ein Baum mit nachvollziehbarer Abstammung, keine Zentrale. Jede Anlage führt ihre Herkunft: HOME 004, gegründet aus HOME 002, gegründet aus HOME 001 — Abstammung wird registriert wie ein Aktenzeichen.
- Die Mutteranlage hat eine Pflicht zur Visitation und ein Recht auf Einspruch bei Abweichung vom Standard — aber keine Weisungsbefugnis über den Betrieb der Tochteranlage. Weitergegeben werden Regel und Bauplan. Nicht weitergegeben wird Autorität.
Wie groß eine Gründungsgruppe sein muss, wird nicht gesetzt, sondern errechnet: Die Gruppe muss die Funktionen besetzen können, die eine Anlage vom ersten Tag an braucht. Die konkrete Zahl folgt aus dieser Aufstellung (H-09).
Offen im Hindernisregister: Größe und Zusammensetzung der Gründungsgruppe (H-09) · Verfahren der Warteliste (H-11).
Die Geometrie
Die Grundform der Anlage ist ein Achteck — nicht, weil dem Achteck eine übernatürliche Wirkung zugesprochen werden muss, sondern weil eine regelmäßige geometrische Ordnung mehrere gestalterische Möglichkeiten eröffnet: ein klar definiertes Zentrum, acht gleichwertige Richtungen, kurze Wege, ringförmige Infrastruktur, modulare Erweiterbarkeit, wiederkehrende Gebäudetypologien, eindeutige Orientierung, Symmetrie ohne klassische Blockstruktur.
| Seite 222,0 m | Setzt sich aus dem Hof zusammen: 3 × 54 + 2 × 8 + 2 × 22 — die Seite geht exakt auf (Blatt 1). Die Seite selbst ist gesetzt, siehe H-13. |
| Fläche 237.964 m² | 23,80 ha je Anlage. |
| Breite über die Flächen 536,0 m | Zweimal das Apothem — von Seitenlinie zu Seitenlinie. |
| Breite über die Ecken 580,2 m | Zweimal der Umkreisradius — von Ecke zu Ecke. |
| Je Kopf ≈ 793 m² | Fläche je Kopf bei voller Belegung (237.964 ÷ 300). |
| Dichte ≈ 12,6 E/ha | Bewusst keine extrem verdichtete Stadtstruktur, sondern ein relativ großzügiger Lebensraum. |
Zur Einordnung der Wege: maximale Direktdistanz innerhalb des Achtecks ≈ 580 m; bei direkter Wegeverbindung rechnerisch ca. 7 Gehminuten, über den Ringweg mit Umwegfaktor ca. 8–9 Minuten.
Die Geometrie ist somit keine Dekoration. Sie wird zur Designsprache des Systems.
Vom einzelnen HOME zum Verbund
Der entscheidende Gedanke ist die Wiederholbarkeit. Die folgenden Zahlen sind eine Rechenillustration — keine Zielgröße, keine Gesamtkapazität, kein Endzustand:
| 1 Anlage | ≈ 300 Menschen bei voller Belegung. |
| 40 Anlagen | ≈ 12.000 Menschen — ein Verbund. |
| 12 × 40 Anlagen | 480 Anlagen. Ein Verbund von 480 Anlagen würde rechnerisch etwa 144.000 Menschen umfassen. |
| Fläche | 480 × 23,80 ha = 114,24 km² reine Anlagenfläche — zuzüglich Außenland nach H-06 (rund 76 ha je Anlage). |
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass daraus ein einziger geschlossener Komplex entstehen muss. Die Anlagen können zusammenhängend, regional verteilt oder als Netz organisiert werden. Entscheidend ist ihre gemeinsame Systemarchitektur.
Die zwölf Bereiche
Oberhalb der einzelnen Anlage fallen Aufgaben an, die keine Anlage allein trägt: gemeinsame Standards, überregionale Versorgung, Wissensaustausch, Koordination. Diese Aufgaben lassen sich funktional gliedern — die Gliederung folgt aus den Aufgaben, nicht aus einer gesetzten Zahl.
In der Rechenillustration aus Kapitel 8 ergeben sich zwölf Bereiche zu je 40 Anlagen, beispielsweise: Versorgung, Gesundheit, Bildung, Energie, Natur, Technologie, Produktion, Mobilität, Kultur, Forschung, Koordination, Sicherheit & Resilienz.
Jeder Bereich entwickelt besondere Kompetenz, bleibt aber mit allen anderen verbunden. Dadurch entsteht keine klassische Zentralregierung, sondern ein verteiltes Kompetenznetzwerk.
Führung ohne Machtpyramide
Einer der wichtigsten Teile des Projektes ist nicht die Architektur. Es ist die Governance.
HOME darf nicht davon abhängig sein, dass dauerhaft „die richtigen Menschen“ an der Spitze stehen. Ein robustes System muss auch dann funktionieren, wenn Menschen Fehler machen. Deshalb sollte Macht verteilt, zeitlich begrenzt, transparent und überprüfbar sein.
Entscheidungen werden möglichst dort getroffen, wo ihre Auswirkungen entstehen. Die einzelne Anlage entscheidet über lokale Angelegenheiten. Mehrere Anlagen koordinieren gemeinsame Infrastruktur. Das Gesamtnetz greift nur dort ein, wo gemeinsame Standards oder überregionale Aufgaben notwendig sind.
So lokal wie möglich. So zentral wie notwendig.
Führung bedeutet innerhalb dieses Modells primär: Verantwortung für eine Funktion zu übernehmen. Nicht: über andere Menschen zu bestimmen.
Die Tochtergründung (Kapitel 6) ist der erste konkrete Fall dieses Prinzips: Wer eine Gründungsgruppe führt, bestimmt nicht über Menschen, sondern trägt eine Aufgabe mit definiertem Ende.
Freiheit bleibt Voraussetzung
HOME soll nicht die gesamte bestehende Gesellschaft ersetzen. Und es muss auch nicht jeder darin leben wollen.
Menschen dürfen weiterhin Städte bevorzugen, alleine leben, Unternehmen besitzen, Vermögen aufbauen, reisen, konsumieren oder völlig andere Gemeinschaftsformen wählen.
Das Projekt funktioniert gerade deshalb, weil es kein Zwangssystem benötigt. Es bietet lediglich eine weitere Option: Ein Mensch kann Teil einer hochentwickelten Gemeinschaft sein, ohne dass seine grundlegende Existenz dauerhaft davon abhängt, möglichst viel Geld zu verdienen.
Grundversorgung ist nicht Gleichmacherei
Das Modell unterscheidet zwischen Grundwert und zusätzlichem Wert.
Grundwert
Jeder Mensch benötigt Unterkunft, Nahrung, Wasser, grundlegende Energie, medizinische Basisversorgung, Bildung, Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe. Der Zugang dazu sollte innerhalb des Systems möglichst wenig vom individuellen Vermögen abhängen.
Zusätzlicher Wert
Menschen können weiterhin Unternehmen gründen, Produkte entwickeln, Kunst schaffen, forschen, besonders viel Verantwortung übernehmen, zusätzliche Leistungen anbieten — und daraus zusätzlichen wirtschaftlichen Nutzen ziehen.
HOME beseitigt damit nicht Leistung. Es versucht lediglich, Existenz und Leistung voneinander zu entkoppeln.
Technologie als Betriebssystem
Ein solches Modell wäre früher organisatorisch extrem aufwendig gewesen. Heute verändert KI die Machbarkeit.
Ein digitales Betriebssystem könnte unter anderem koordinieren: Energieverbrauch, Lebensmittelbestände, Wartung, Mobilität, Gebäude, Beschaffung, Produktion, medizinische Ressourcen, Lernangebote, interne Projekte, demokratische Abstimmungen, Finanzströme, freie Kapazitäten, Fähigkeiten und freiwillige Beiträge.
KI soll dabei nicht Menschen regieren. Sie soll Komplexität reduzieren und Informationen verfügbar machen. Entscheidungsgewalt bleibt bei Menschen und klar definierten Institutionen.
Nicht Autarkie, sondern Resilienz
Ein häufiger Fehler vergleichbarer Projekte ist der Versuch, alles selbst produzieren zu wollen. HOME sollte genau das nicht tun. Eine Anlage muss kein Stahlwerk betreiben, keine Computerchips herstellen — und sie kann nicht sämtliche Lebensmittel selbst anbauen (H-06).
Stattdessen wird zwischen drei Ebenen unterschieden:
| Kritisch lokal | Wasser, Notenergie, Kommunikation, Grundnahrung, medizinische Erstversorgung, Unterkunft. |
| Regional | Größere Lebensmittelproduktion, Handwerk, Logistik, Gesundheitsversorgung, Produktion, Recycling. |
| Global | Technologie, Spezialmedizin, Industrieprodukte, Forschung, Handel. |
So bleibt HOME Teil der Weltwirtschaft, wird aber weniger abhängig von einzelnen Ausfallpunkten.
Trägerschaft und Finanzierung
Dieses Kapitel beschreibt Prinzipien — ohne Beträge, ohne Zeitpläne. Es ist ausschließlich beschreibend: Es wirbt nicht um Geld, bietet nichts an und verspricht nichts.
Vier Funktionen, vier Träger
| Publikation, Spezifikation, Impressum | HIGHERPlan GmbH (TR-1) — eingetragen, HRB 37179, Amtsgericht Stendal. |
| Bildung, Gesundheit, Grundversorgung | E.W.I.G. gGmbH (TR-3) — Gründung vorgesehen, noch nicht gegründet · HBI e.V. (TR-2) — besteht, Reaktivierung läuft. |
| Bau und Betrieb je Anlage | Eine eigene Projektgesellschaft je Standort — zu gründen, sobald ein Standort real ist. Es existiert noch keine. |
| IP, Standard, HOME OS | Offen — kein bestehender Träger passt. Geführt als H-04 im Hindernisregister. |
Die offene vierte Zeile wird mitveröffentlicht, nicht kaschiert. Keine der genannten Strukturen handelt hier über ihren tatsächlichen Stand hinaus: Was nicht gegründet ist, ist nicht gegründet.
Vier getrennte Finanzierungsebenen
| 1 · Struktur und Vorlauf | Struktur- und Vorlaufkosten trägt die HIGHERPlan GmbH aus operativen Erlösen. |
| 2 · Boden | Kein Eigentumserwerb durch Bewohner; Zugang über Nutzung, nicht über Besitz. Der Flächenbedarf umfasst die Anlage (23,80 ha) und das Außenland nach H-06 (≈ 76 ha) — real rund 100 ha je Anlage. Welches Instrument den Boden bindet, ist nicht entschieden; es setzt Gegenparteien voraus, die es noch nicht gibt (H-02). |
| 3 · Bau | Der Bau wird je Standort von der Projektgesellschaft getragen, fremdfinanziert und aus Nutzungsentgelten bedient. |
| 4 · Nicht-rentierliche Funktionen | Bildung, Versorgung, Gemeinschaft soll der gemeinnützige Träger tragen — finanziert aus den Erlösen der eigenen produktiven Unternehmungen, bisher ohne Spenden und Fördermittel. |
Kernaussagen
- Die Finanzierung kommt aus eigenen produktiven Unternehmungen; Spenden, Fördermittel und Kapitalbeteiligungen sind bisher nicht in Anspruch genommen.
- Die Umverteilung wird verankert, bevor relevante Erlöse existieren — nicht erst, wenn es weh tut.
- HOME 001 ist Entwicklungsaufwand. Das eigentliche Ergebnis ist der replizierbare Bauplan — daran wird gemessen, was Kapitel 17 verlangt: dass die zweite Anlage günstiger gebaut und betrieben werden kann als die erste.
Offene Geld- und Strukturfragen dieses Kapitels sind im Hindernisregister geführt: Kapitalarchitektur (H-01), Boden und Baurecht (H-02), Gemeinnützigkeitsfähigkeit (H-07), Mittelfluss (H-08).
Warum 480 Anlagen nicht der Anfang sein dürfen
Die vollständige Vision ist groß. Die Umsetzung muss klein beginnen. Die Reihenfolge:
| HOME 001 | Die erste funktionsfähige Anlage. |
| Mehrere Anlagen | Miteinander verbunden, gemeinsame Infrastruktur. |
| Regionaler Verbund | Bis zum 40-Anlagen-Verbund. |
| Zwölf Bereiche | Miteinander verbundene Bereiche — rechnerisch 480 Anlagen (Kapitel 8). |
HOME 001 muss beweisen, dass das Modell wirtschaftlich, sozial und organisatorisch funktioniert. Erst dann darf wiederholt werden.
Was tatsächlich bewiesen werden muss
Der Erfolg wird nicht daran gemessen, wie beeindruckend das Gelände aussieht. Entscheidend sind messbare Ergebnisse:
- Wie stark sinken die Wohnkosten pro Bewohner?
- Wie viel Energie kann lokal erzeugt werden?
- Wie viel Nahrung kann sinnvoll lokal oder regional produziert werden — unter der Bedingung des Außenlands (H-06)?
- Wie viele Ressourcen können geteilt werden?
- Wie hoch ist der reale Personalaufwand?
- Verbessert sich die Lebensqualität?
- Bleiben Bewohner freiwillig?
- Entsteht Gemeinschaft, ohne individuelle Freiheit einzuschränken?
- Kann das Modell wirtschaftlich ohne dauerhafte Spenden funktionieren?
- Kann die zweite Anlage günstiger gebaut und betrieben werden als die erste?
Erst wenn diese Fragen positiv beantwortet werden, entsteht aus einer Vision ein System.
Die eigentliche Relevanz
HOME muss nicht beweisen, dass unsere heutige Welt zusammenbrechen wird. Das wäre auch die falsche Ausgangslage. Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Was wäre, wenn unsere bestehenden Systeme funktionieren — aber wir inzwischen trotzdem etwas Besseres bauen können?
Wenn KI Arbeit effizienter macht, profitieren die Bewohner. Wenn Energie günstiger wird, profitieren die Bewohner. Wenn Automatisierung Produktion billiger macht, profitieren die Bewohner. Wenn die Welt stabil bleibt, funktioniert HOME als attraktiver Lebensraum. Wenn die Welt instabiler wird, besitzt HOME zusätzliche Widerstandsfähigkeit.
Damit besitzt das Modell eine ungewöhnliche Eigenschaft: Es benötigt keine Krise, um sinnvoll zu sein. Eine Krise würde lediglich deutlicher machen, warum Resilienz wertvoll ist.
Das Projekt in einem Satz
HOME ist der Versuch, eine neue Basiseinheit menschlichen Zusammenlebens zu entwickeln, die moderne Technologie, gemeinschaftliche Infrastruktur, individuelle Freiheit und dezentrale Resilienz miteinander verbindet.
Wir bauen keine neue Welt. Wir bauen eine bessere Grundeinheit, aus der eine entstehen könnte.
- United Nations Department of Economic and Social Affairs (UN DESA): World Social Report 2025 — A New Policy Consensus to Accelerate Social Progress. 2025. desapublications.un.org ↩
- OECD: Affordable Housing Database — Indikator HC1.2 „Housing costs over income“. Stand Oktober 2025, Daten 2024 bzw. letztverfügbares Jahr. Wert: 39,7 % im OECD-Durchschnitt — Overburden-Rate als Bevölkerungsanteil (Figure HC1.2.3, Panel A, Reihe „Rent (private)“): Anteil der Personen im untersten Einkommensquintil, die zur Marktmiete wohnen und mehr als 40 % des verfügbaren Einkommens für Wohnkosten aufwenden. Frühere Fassungen dieses Papiers bezogen die Kennzahl auf „Mieterhaushalte“ — die OECD misst hier den Anteil der Bevölkerung, nicht der Haushalte; dieselbe Kennzahl, andere Bezugsgröße. webfs.oecd.org (HC1.2) ↩
- World Health Organization (WHO): From loneliness to social connection — charting a path to healthier societies. Report of the WHO Commission on Social Connection. Genf 2025. Datenbasis 2014–2023, alle Altersgruppen. who.int ↩
- International Monetary Fund (IMF): Cazzaniga et al., Gen-AI — Artificial Intelligence and the Future of Work. Staff Discussion Note SDN/2024/001, Januar 2024. imf.org ↩
- Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): The State of Food and Agriculture 2021 — Making agrifood systems more resilient to shocks and stresses. 2021. fao.org ↩